Hier die Kurzversion:
Kind stillt schlecht, Zungenbaendchen (oder wie immer das auch heisst) ist zu kurz, durchgetrennt, Brueste zu voll, Kind schreit immer noch beim Stillen, warten bis Mittwoch.
Und hier fuer die, die etwas mehr Zeit haben zum Lesen (und sich nicht davor scheuen, ein paar mal was von Brustwarzen und solchen Sachen zu hoeren), die ausfuehrlichere Version ;-) Und damit's nicht ganz so langweilig wird, pack ich noch ein paar Bilder mit rein (nicht alle von Montag, aber von den letzten Tagen).
Here we go:
Das Krankenhaus befindet sich mitten in der Stadt und obwohl ich den Berliner Verkehr gewoehnt bin und mir das Fahren dort ueberhaupt gar kein Problem macht, hat ich doch etwas Bammel davor, hier in die Grossstadt zu fahren. Kann aber auch daran liegen, dass ich mich in Berlin gut auskannte. Hier in Cincinnati kenn ich keine einzige Strasse und das macht es dann alles noch mal etwas schwerer.
Und da ich mich hier schon das Ein oder Andere mal verfahren habe *opsi* haben wir uns so ein tolles Teil hier zugelegt und schwupps-di-wupps war ich auch schon im Krankenhaus (natuerlich ohne Verfahren) angekommen. Die nette Stimme hat mir immer rechtzeitig gesagt, wann ich wo abzubiegen habe und somit hatte ich ein nettes Fahrerlebnis ;-)
Das Krankenhaus war riesengross und gar nicht mit dem hier in Oxford zu vergleichen. Es wimmelte dort nur von Schwestern, Doktoren und Patienten. War wie so ein grosser Ameisenhaufen.
Dort angekommen musst ich uns also erst einmal einchecken, alles ausfuellen und bezahlen und dann kam auch schon Frau Doktor Stillberaterin und hat mich abgeholt.
Hier mal ein Link zu der netten Frau, die mit ihren Titeln nur so um sich schmeissen kann.
Dr. Geraghty
Sie ist Leiterin der Stillberatung, Kinderaerztin und noch einiges mehr und ich fuehlte mich sofort gut aufgehoben bei ihr. Sie hatte noch eine andere Kinderaerztin bei sich, die wohl gerade im Krankenhaus anfaengt und eingearbeitet werden sollte.
Wir gingen dann in ein Zimmer und sie hat mir erst ein mal ein paar Fragen gestellt zur Person und dann durfte ich mein Anliegen schildern.
Nicht lange daraufhin hat sie sich dann Anabel zugewandt.
Ich weiss nicht ob ich es schon irgendwann mal erwaehnt hatte, aber bei vielen Babies ist der Grund fuer ein schlechtes Andocken an der Brust, dass das Baendchen zwischen Zunge und Gaumen unten (oder wie immer man das auch unter der Zunge nennt) zu kurz ist. In solchen Faellen wird es dann "einfach" durchtrennt, damit die Zunge dann besser beweglich ist und man sie rausstecken kann. Das nennt sich hier "tongue-tied". Wortwoertlich uebersetzt waere es 'zungengebunden'.
Die Aerztin hat Anabels Mund aufgemacht und nachgeschaut und siehe da... Madame hat einen leichten Fall davon. Wenn sie schreit, dann rollt sie ihre Zunge nach oben, anstatt sie nach draussen zu stecken, weil sie das einfach anhand des kurzen Baendchens nicht kann. Das ist wohlmoeglich der Grund, warum sie nicht ordentlich andockt.
Und einzige Abhilfe dafuer ist es, wie gesagt, das Baendchen durchzuschneiden.
Mir wurd erst mal ganz schlecht, als sie mir sagte, was sie nun machen wird und ich hab gleich doppelt soviel Angst fuer Anabel gehabt. Bis sie mir dann versicherte, dass sich in diesem Baendchen absolut keine Nerven befinden, Madamsen also ueberhaupt keinen Schmerz haben wird.
Sie schnallten sie dann in eine Art Zwangsjacke (man moechte ja nicht mit scharfen Gegenstaenden im Babymund rumwuchteln und dann abrutschen, weil sie so dolle rumzappelt), was sie natuerlich erst mal ueberhaupt nicht lustig fand. Aber nicht viel spaeter war sie total ruhig, weil sie es von zu Hause kennt, dass sie eingepukt wird wie ein Burrito. Frau Dr. bewaffnete sich dann mit Skalpel und Spreitzer und ab gings in den Mund.
Ich, immer noch sehr skeptisc,h stand daneben und wollt erst gar nicht hingucken. Bis sie dann meinte, dass es das war und ich doch mal gucken soll, wie schoen sie ihre Zunge nun heben kann. Und siehe da, die Zunge schaute schon ganz anders aus und Anabel war immer noch gluecklich und zufrieden. Hat also wirklich nicht wehgetan.
Na gut, ein wenig hat sie geweint, als man ihr den Mund versuchte aufzuhalten und mit den kalten Gegenstaenden da rein ist. Aber wer mag das schon ;-)
Danach hat sie sie mir gleich an die Brust gelegt (mit Stillkissen und allem pi-pa-po) und ich durfte vorfuerhren, wie ich sie stille.
Als ich also meine Brust auspackte bemerkte Fr. Doktor gleich noch einen Faktor, warum Anabel solche Schwierigkeiten an der Brust haben koennte. Meine Brust war seeeeeehr voll und der Milcheinschuss sei wohl so stark, dass es sich fuer Anabel anfuehlt, als wenn sie jeden Moment ertrinke. Deswegen schreit sie immer wie am Spiess wenn ich sie stille und deswegen steckt sie nur die Haelfte in den Mund anstatt das ganze Teil. Das hat dann zur Folge, dass sie schoen mit ihrem Gaumen vorne auf der Brust drauf rumkaut und deswegen stille ich hier immer unter Schmerzen.
Aber auch fuer das Problem gab es eine Loesung und ich sollte weiterstillen.
Und man koennte meinen, dass dann alles wunderbar klappte... aber NEIN, nicht doch, waer ja langweilig.
Madame hatte sich dann so gestresst, dass sie wieder ihre normale Stillshow abgezogen hat. Schreien, ran an die Brust, kurz trinken, schreien, weg von der Brust und das dann 10 Minuten lang. Zwischendurch wegen dem Schreien noch ordentlich Luft schlucken und noch viele Bauchschmerzen dazubekommen. Die beiden Aerzte konnten gar nicht wirklich glauben, was sie da sahen. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich froh war, dass sie sich so angestellt hatte gestern. Nun konnte mal jemand sehen, wie es hier so abgeht beim Stillen, in der einfachen Hoffnung, dass mir so geholfen werden kann.
Die beiden Aerzte waren sich sicher, dass es einfach nur stressbedingt ist. Sie hat halt, sobald sie meine Brust nur sieht und riecht, schon totale Angst davor, weil sie halt so schlechte Erfahrungen (halb "ertrinken", Bauchschmerzen durch die viele Luft, die sie einsaugt, gestresste Mutter, usw.).
Ich solle nun bis Mittwoch oder Donnerstag schauen, wie sie sich macht und mich dann wieder bei ihnen melden.
Ach ja, ich muss noch sagen, dass, wenn sie sich angedockt hatte, es komischerweise nicht weh tat (also beim Stillen im Krankenhaus, bei der Stillberaterin) und ich guter Hoffnung nach Hause bin. Sie sagten mir auch, dass es nicht gleich von heute auf morgen klappen wird, aber wie gesagt ich mich innerhalb der naechsten Tage melden sollte und Bericht erstatten soll.
Zu Hause angekommen habe ich wieder gestillt und es tat wieder hoellisch weh. Ich habe wirklich alles so gemacht, wie man mir gesagt und gezeigt hatte, und es war wieder schlimm.
Ich kapier's einfach nicht und ich glaub, ohne Stillhuetchen bekommen wir das auch nie mehr hin. Aber egal, so langsam finde ich mich nun damit ab, dass Stillen nicht ihre Lieblingsbeschaeftigung ist und hoffe einfach darauf, dass ich immer dieses doofe Huetchen mit dabei habe.
Ich hatte mich dann also verabschiedet und bin zum Fahrstuhl, als ich was gesehen habe, was mir einen richtigen Schlag in die Magengegend gegeben hab.
Wir warteten auf den Fahrstuhl und als sich die Tuer oeffnete stiegen einige Leute aus und darunter auch ein kleines Kind. Sie/Er (ich weiss es ehrlich gesagt nicht) hatte eine Glatze und einen intravenoesen Zugang im Oberarm. Das war also ein krebskrankes Kind, was wahrscheinlich gerade auf dem Weg zur Chemotherapie war. Boah, als ich das sah haette ich am liebsten losgeweint, auf der Stelle. Mir wurde wirklich ganz anders und man bekommt mal wieder vor Augen gefuehrt, wie dankbar man sein kann, dass man 3 wundervolle, gesunde Kinder zu Hause hat.
So, hab ich euch nun genug zugetextet? Danke fuer's Zuhoeren, ich musste das alles loswerden. Wie gesagt, ich gebe mich jetzt damit ab, wie es ist und verspreche auch, nicht mehr so viel zu jammern, aber das musste noch mal raus ;-)
3 Kommentare:
Hallo Jeane, ich hab dir gestern ja schonmal gesagt, das ich ne gute Bekannte habe, die ihre Kleine mit 15 Monaten immernoch mit Stillhütchen stillt, und das superviel und supergerne. Sie hat in ihrer Handtasche immernoch son kl. Kosmetiktäschchen mit Stillhütchen usw dabei. Notfalls pack dir doch sowas auch noch ins Auto ;)
Vielleicht solltest du die Brust bevor du stillst schonmal ein bisschen abpumpen, damit sie nicht so voll ist, bzw. zwischen den Stillzeiten ein wenig leerpumpen?....wobei dann ja wiederum mehr produziert wird..hmm...
Meine Nichte hat auch ein zu kurzes Zungenbändchen und spricht mit ihren 3,5 Jahren dadurch sehr schlecht-garnicht. Ich frag mich gerade nur, warum sies nich einfach durchtrennen lassen...hmm naja, geht mich ja auch nix an ;)
Ich drücke Dir weiterhin die Daumen, das ihr bald die Kurve kriegt :)und es doch noch ordentlich klappt!
LG
Jessi
Du solltest anfangen in einer Zeitung zu schreiben. Jede Woche einen Artikel der Johnson-Five ;-) Ich les so gerne, dass was du schreibst, weil du es immer so toll schreibst. Man hat das Gefühl immer mittendrin zu stehen. HiHi
Zungenbändchen wurde bei mir auch durchgetrennt. Genau wie das Lippenbändchen. Letzteres tat aber höllisch weh...
Ich find es super, wie du stillst - auch wenn es dir weh tut.
Ich drücke dir auch die Daumen, dass es besser wird und du das Stillen richtig genießen kannst.
LG Nancy
liest sich wirklich spannend.
dein gefühl mit dem krebskranken kind kenn ich auch. hab das immer, wenn ich kinder im rollstuhl sehe u muß wirklich arg kämpfen, dass ich nicht weine u bin dann unendlich dankbar, so ne tolle, gesunde maus zu haben.
ich würd auch DIREKT vor dem stillen ein wneig pumpen, damit der druck nicht mehr so stark ist. ich denk, wenn du dir den spaß mal machst u auf deine brustwarzen drückst, spritzt es im hohen bogen.
ich denk, sie braucht jetzt beim stillen ein paar positive momente, dann wird sie es genießen.
find es jedenfalls wirklich klasse, wie sehr du da hinterher bist. stillmama durch und durch.
ich drück euch ganz fest die daumen.
sandra
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